DER MENSCHENFEIND (FRISCH VERLIEBT) – von MAX GRUBER

Die ewigen Fragen des Menschlich-Mitmenschlichen

Nach dem großen Erfolg von „Der eingebildete Kranke, neu verschrieben“ fällt die Wahl für das heurige Stück erneut auf Molière, nämlich auf „Der Menschenfeind“. Der Stoff könnte aktueller nicht sein. In der Kunstgalerie von Caroline wird ein Charity-Event gefeiert. Wer etwas auf sich hält, muss dabei sein. Nur Conrad, der bis über beide Ohren in die Gastgeberin verliebt ist, flüchtet in einen Nebenraum. Die Oberflächlichkeit, Selbstverliebtheit und Eitelkeit der Schickimicki-Gesellschaft sind dem scharfen Zeitkritiker ein Gräuel. Nichts als Heuchelei, Unaufrichtigkeit und Fake News, wohin er auch schaut. Conrad will dem vergnügungssüchtigen Partyvolk den Spiegel vorhalten, die Wahrheit ins Gesicht schleudern, immer und überall, schonungslos. Conrad ist ein hoffnungsloser Idealist. Ein Misanthrop, der die Menschen liebt – „nur die Leut‘ hält er nicht aus“… Vor allem jene, die Caroline umschwärmen, die den strahlenden Mittelpunkt, die heimliche Herrscherin des Abends bildet – und die Conrad an Witz, Schlagfertigkeit und Scharfzüngigkeit um nichts nachsteht. Nur dass sie, im Gegensatz zu Conrad, auf menschliche Schwächen mit Nachsicht, Gelassenheit und raffiniertem Charme zu reagieren weiß. Die glänzende Netzwerkerin versteht es, sich ihre Lebensfreude nicht verderben zu lassen und die Eitelkeit ihrer Gäste und deren Hang zu Selbstdarstellung für einen guten Zweck zu nützen. Caroline durchschaut auch, dass Conrad den Abend als Bühne nützt, um seinen überlegenen Geist zur Schau zu stellen. Und sie weiß, dass hinter seiner Absicht, sich von der Welt und den Menschen zurückzuziehen, der Wunsch steckt, sie ganz für sich zu besitzen und von seiner rasenden Eifersucht auf ihre Verehrer erlöst zu sein… Die Genialität von Molières Vorlage besteht darin, ewige Fragen des Menschlich-Mitmenschlichen in die „Beziehungskiste“ zweier Liebender gelegt zu haben, deren Weltsicht und Menschenbild unterschiedlicher nicht sein könnten. Molière beweist im „Menschenfeind“, dass es hier kein richtig oder falsch gibt, sondern nur ein turbulentes, immer neu zu erringendes, erstreitendes,  Miteinander.  Zu Molières Zeiten, wie auch im Jahr 2019, im Leben wie auf der Bühne.

Mit: 

Adi Hirschal
Julia Jelinek
Sonja Romei
Bettina Schwarz
Florian Haslinger
Christian Strasser

Regie: Katharina Schwarz
Autor: Max Gruber
Kostüme: Maddalena Hirschal
Bühne: Christina Romierer
Maske: Zoe Marvie
Regieassistenz: Judith Thaler

Beginn: jeweils 20.00 Uhr, Dauer bis ca. 22.15 Uhr, eine Pause.